Sicherheitsmechanismen: Wie private Geldgeber sich absichern (Und was das für Sie bedeutet)

Sicherheitsmechanismen: Wie private Geldgeber sich absichern
Sicherheitsmechanismen: Wie private Geldgeber sich absichern

Wenn eine Bank einen Kredit ablehnt, liegt das meist daran, dass ihr die Sicherheiten fehlen. Doch wie machen das dann private Geldgeber? Verleihen sie ihr Geld „blind“ und hoffen auf das Beste?

Ganz sicher nicht. Private Geldgeber und professionelle Investoren sind keine Wohltäter. Sie sind Geschäftsleute, die ihr Kapital schützen wollen. Wer auf einer Plattform private Geldgeber Geld erhält, muss zwar oft keine Immobilien als Pfand hinterlegen, aber er unterschreibt dennoch weitreichende Sicherungsvereinbarungen.

In diesem Artikel blicken wir hinter die Kulissen der Kreditverträge. Wir zeigen Ihnen, welche Mechanismen greifen, wenn ein Kreditnehmer nicht mehr zahlen kann, und welche Sicherheiten Sie aktiv anbieten können, um Ihre Chancen zu verbessern.

Das Grundprinzip: Blankodarlehen vs. Besichertes Darlehen

Zunächst müssen wir unterscheiden, um welche Art von Kredit es sich handelt.

Das Blankodarlehen (Der Standard)

Die meisten Kredite auf P2P-Plattformen sind sogenannte Blankodarlehen. Das bedeutet: Es gibt keine dinglichen Sicherheiten (wie ein Auto oder Haus), die direkt verpfändet werden.

  • Die Sicherheit: Die Sicherheit ist hier allein Ihre Bonität und Ihre Arbeitskraft (zukünftiges Einkommen).
  • Der Preis: Da das Risiko für den Geber höher ist, sind die Zinsen höher.

Das besicherte Darlehen

Hier bieten Sie einen Wertgegenstand an.

  • Die Sicherheit: Ein KFZ-Brief oder eine Immobilie.
  • Der Preis: Die Zinsen sinken drastisch, da das Risiko für den Geldgeber minimal ist.

Wie sich das auf die Kosten auswirkt, lesen Sie hier: Zinsen, Laufzeiten & Konditionen bei privaten Krediten: Ein Deep-Dive


Die Lohnabtretung: Die stille Waffe im Vertrag

Fast jeder Kreditvertrag (auch bei einer Plattform private Geldgeber) enthält eine Klausel zur Lohn- und Gehaltsabtretung. Viele Kreditnehmer überlesen diese, aber sie ist das schärfste Schwert des Gläubigers.

Was bedeutet das? Sie unterschreiben im Vertrag, dass Sie den pfändbaren Teil Ihres Gehalts an den Geldgeber abtreten, falls Sie die Raten nicht mehr zahlen.

  • Der Effekt: Wenn Sie in Verzug geraten, muss der Geldgeber nicht erst lange klagen. Er kann mit dieser Klausel direkt an Ihren Arbeitgeber herantreten und verlangen, dass der pfändbare Teil Ihres Lohns direkt an ihn überwiesen wird.

Das klingt hart, ist aber der Standard, der Kredite ohne dingliche Sicherheiten überhaupt erst möglich macht.


Die Sicherungsübereignung (Besonders bei Autokrediten)

Wenn Sie einen Kredit speziell für den Kauf eines Autos oder Motorrads aufnehmen, greift oft die Sicherungsübereignung.

  • Wie es funktioniert: Sie kaufen das Auto und dürfen es fahren. Aber: Sie bleiben nur der „Besitzer“. Der „Eigentümer“ (rechtlich gesehen) bleibt der Geldgeber oder die Partnerbank der Plattform, bis die letzte Rate bezahlt ist.

  • Die Konsequenz: Zahlen Sie nicht, kann der Geldgeber das Auto einziehen und verkaufen, um seine Schulden zu begleichen.

  • Der Vorteil: Da dies eine sehr starke Sicherheit ist, sind Autokredite auch bei privaten Geldgebern oft deutlich günstiger als freie Konsumkredite.


Der Bürge (Die menschliche Sicherheit)

Wenn die eigene Bonität wackelt (z.B. bei Studenten, Azubis oder Gründern), ist ein zweiter Kreditnehmer oder Bürge der „Joker“.

Auf einer Plattform private Geldgeber wird dies oft als „Gemeinschaftsantrag“ bezeichnet.

  • Das Prinzip: Eine zweite Person mit gutem Einkommen unterschreibt den Vertrag mit.

  • Die Haftung: Diese Person haftet gesamtschuldnerisch. Das heißt: Zahlt der Hauptkreditnehmer nicht, holen sich die Investoren das Geld sofort und in voller Höhe vom Bürgen.

  • Warum tun? Es erhöht die Annahmewahrscheinlichkeit massiv und senkt den Zinssatz.


Restschuldversicherungen (Sinnvoll oder Preistreiber?)

Oft wird Ihnen beim Abschluss angeboten, eine Restschuldversicherung (RSV) abzuschließen. Diese soll einspringen, wenn Sie arbeitslos, krank oder arbeitsunfähig werden.

  • Pro: Sie bietet ein Sicherheitsnetz für den Worst-Case.

  • Contra: Sie ist oft sehr teuer und treibt die monatliche Rate in die Höhe. Zudem gibt es oft viele Ausschlussklauseln (Kleingedrucktes).

  • Empfehlung: Prüfen Sie genau, ob Sie diese wirklich brauchen. Bei kleineren Summen lohnt sie sich oft nicht.


Häufige Fragen (FAQ) zu Sicherheiten

Hier beantworten wir die 5 wichtigsten Fragen zur Absicherung von privaten Krediten.

Kann der private Geldgeber sofort mein Gehalt pfänden?

Nicht „sofort“ bei der ersten verspäteten Rate. In der Regel muss der Kreditgeber den Kredit erst wirksam kündigen (meist nach zwei vollen Raten Rückstand). Erst dann greift die Lohnabtretungsklausel, und er kann sich an den Arbeitgeber wenden. Vorher gibt es Mahnungen.

Muss ich für einen P2P-Kredit immer Sicherheiten haben?

Nein. Die meisten Kredite auf Portalen wie Auxmoney oder Smava sind unbesichert (Blankodarlehen). Voraussetzung ist allerdings ein regelmäßiges, frei verfügbares Einkommen, das theoretisch gepfändet werden könnte.

Akzeptieren private Geldgeber auch Schmuck oder Elektronik als Pfand?

Online-Plattformen in der Regel nicht. Diese Art der Sicherheit („Faustpfand“) ist das Geschäft von lokalen Pfandleihern. P2P-Plattformen akzeptieren als dingliche Sicherheit meist nur Fahrzeuge (KFZ-Brief).

Was passiert, wenn ich trotz Sicherheiten nicht zahlen kann?

Dann werden die Sicherheiten verwertet (Auto verkauft, Lohn gepfändet). Reicht der Erlös nicht aus, um die Schuld zu decken, haften Sie weiterhin mit Ihrem restlichen Privatvermögen für die Differenz. Die Schuld verschwindet nicht einfach durch den Verkauf des Autos.

Erfahren private Geldgeber, wer mein Arbeitgeber ist?

Ja. Im Kreditantrag müssen Sie Ihren Arbeitgeber fast immer angeben. Dies dient dazu, die Angaben auf der Gehaltsabrechnung zu verifizieren und – im schlimmsten Fall – die Lohnabtretung durchsetzen zu können.

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