
Wer Kapital sucht, benutzt oft das Wort „Investor“ als Sammelbegriff. Doch in der Finanzwelt gibt es einen gigantischen Unterschied zwischen jemandem, der Ihnen Geld leiht (Private Geldgeber), und jemandem, der sich an Ihrem Unternehmen beteiligt (Business Investor).
Die Verwechslung dieser beiden Welten kann fatale Folgen haben: Sie suchen einen Kredit, verkaufen aber versehentlich Anteile an Ihrer Firma. Oder Sie suchen einen strategischen Partner, landen aber bei einem reinen Zins-Geschäft.
In diesem Artikel ziehen wir eine klare Linie. Wir vergleichen die Modelle „Debt“ (Schulden) und „Equity“ (Eigenkapital) und helfen Ihnen zu entscheiden, welcher Geldgeber zu Ihrem Vorhaben passt.
Der Private Geldgeber (Debt Capital)
Das ist das Modell, das wir auf dieser Webseite hauptsächlich behandeln. Hier geht es um Fremdkapital.
- Wer sind sie? Meist viele kleine Privatanleger, die sich auf einer Plattform private Geldgeber organisieren (Crowdlending).
- Der Deal: Sie bekommen Geld und zahlen es in Raten plus Zinsen zurück.
- Der Einfluss: Der Geldgeber hat null Mitspracherecht. Es ist ihm egal, welche Farbe Ihr Firmenlogo hat oder wen Sie einstellen. Er will nur pünktlich seine Zinsen.
- Das Ende: Sobald die letzte Rate gezahlt ist, gehört die Firma (oder das Auto) wieder zu 100 % Ihnen. Die Beziehung endet.
Der Business Investor (Equity Capital)
Das ist das Modell aus „Die Höhle der Löwen“. Hier geht es um Eigenkapital.
- Wer sind sie? Business Angels (reiche Einzelpersonen) oder Venture Capital Fonds (Wagniskapitalgeber).
- Der Deal: Sie bekommen Geld und müssen es nicht zurückzahlen. Stattdessen geben Sie Anteile (Prozente) an Ihrer Firma ab.
- Der Einfluss: Der Investor wird Miteigentümer. Er redet bei der Strategie mit, fordert Mitspracherecht und kontrolliert die Geschäftszahlen.
- Das Ende: Der Investor will einen „Exit“. Er will seine Anteile in 5-10 Jahren mit Gewinn verkaufen (z.B. wenn Sie die Firma verkaufen oder an die Börse gehen).
Der direkte Vergleich: Tabelle
Hier sehen Sie, wie unterschiedlich die Interessen sind:
| Kriterium | Private Geldgeber (P2P/Kredit) | Business Investoren (Angel/VC) |
| Kapitalart | Fremdkapital (Schulden) | Eigenkapital (Beteiligung) |
| Kosten | Zinsen (monatlich fällig) | Firmenanteile (Gewinnbeteiligung) |
| Rückzahlung | Ja, zwingend | Nein (Risiko liegt beim Investor) |
| Mitsprache | Keine | Ja, oft sehr intensiv |
| Sicherheiten | Oft nötig (Einkommen, Bürge) | Die Geschäftsidee ist die Sicherheit |
| Vermittlung | Über Plattform private Geldgeber | Über Netzwerke, Pitch-Events |
Wann wähle ich welchen Weg?
Die Wahl hängt nicht nur vom Geld ab, sondern von Ihrer Lebensphase und Ihrem Ziel.
Wählen Sie Private Geldgeber, wenn:
- Sie die Kontrolle behalten wollen: Sie wollen Chef im eigenen Haus bleiben.
- Sie Cashflow haben: Sie können monatliche Raten bedienen (z.B. etablierter Handwerksbetrieb oder Angestellter).
- Es um Sachwerte geht: Kauf von Maschinen, Autos oder Warenlager.
- Die Summe überschaubar ist: Typischerweise bis 50.000 € (privat) oder 250.000 € (Crowdlending).
Wählen Sie Business Investoren, wenn:
- Sie „Smart Money“ brauchen: Sie brauchen nicht nur Geld, sondern auch das Netzwerk und Wissen eines Mentors.
- Sie noch keinen Umsatz machen: Ein Kredit ist unmöglich, da Sie keine Raten zahlen können (klassisches Start-up).
- Sie schnell skalieren wollen: Sie brauchen Millionen für Marketing, um den Markt zu erobern.
- Sie das Risiko teilen wollen: Wenn die Firma pleite geht, müssen Sie den Investor nicht auszahlen (beim Kredit haften Sie oft privat).
Die Kombination (Hybrid-Modelle)
Für fortgeschrittene Unternehmer gibt es auch Mischformen.
- Mezzanine-Kapital: Eine Mischung aus Kredit und Beteiligung. Sie zahlen Zinsen, aber wenn Sie nicht zahlen können, wandelt sich der Kredit in Firmenanteile um.
- Wandelanleihen: Oft genutzt auf Crowdinvesting-Plattformen.
Dennoch bleibt für 90 % der Selbstständigen und 100 % der Privatpersonen der klassische Weg über eine Plattform private Geldgeber der einfachste und schnellste Weg zur Liquidität.
Häufige Fragen (FAQ) zum Geldgeber-Vergleich
Hier beantworten wir die 5 wichtigsten Fragen zur Unterscheidung.
Ist ein Business Angel günstiger als ein Kredit?
Kurzfristig ja, langfristig oft nein. Beim Kredit zahlen Sie vielleicht 10 % Zinsen. Beim Business Angel zahlen Sie nichts zurück, aber wenn Ihre Firma später 10 Millionen wert ist und dem Angel gehören 20 %, dann hat er 2 Millionen „gekostet“. Das ist oft das teuerste Geld der Welt.
Kann ich als Privatperson einen Business Investor finden?
Nein. Business Investoren investieren ausschließlich in Unternehmen (Kapitalgesellschaften wie GmbH oder UG) mit Wachstumspotenzial. Für private Anschaffungen (Haus, Auto) gibt es keine Investoren, sondern nur Kreditgeber.
Mischen sich Private Geldgeber ins Geschäft ein?
Auf P2P-Plattformen in der Regel nicht. Die tausenden Kleinanleger haben weder das Recht noch die Zeit, Ihre Geschäftsführung zu kommentieren. Sie erhalten lediglich anonymisierte Reports über den Zahlungsstatus.
Was ist schwieriger zu bekommen?
Eindeutig der Business Investor. VCs und Angels investieren oft nur in 1 von 100 Start-ups, die sie sich ansehen. Einen Kredit auf einer P2P-Plattform zu bekommen, ist bei vorhandenem Cashflow deutlich einfacher und standardisierter.
Kann ich beide Formen kombinieren?
Ja. Viele Start-ups nutzen das Geld der Investoren für Entwicklung und Marketing (Risikokapital) und nutzen zusätzlich Kredite oder Leasing für Hardware und Büroausstattung (Fremdkapital), um die Anteile der Gründer nicht zu stark zu verwässern.

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