Endfälliges Darlehen oder Ratenkredit: Was ist besser?

Endfälliges Darlehen oder Ratenkredit
Endfälliges Darlehen oder Ratenkredit

Wer einen Kredit aufnimmt, schaut meist zuerst auf den Zinssatz. Doch fast genauso wichtig ist die Frage der Tilgung (Rückzahlung).

Wie das Geld zurückfließt, entscheidet darüber, wie hoch Ihre monatliche Belastung ist und wie viel Zinsen Sie am Ende wirklich zahlen. In Deutschland gibt es zwei Hauptmodelle:

  1. Das klassische Annuitätendarlehen (Standard bei Banken).
  2. Das endfällige Darlehen (Oft bei privaten Geldgebern oder Baufinanzierungen).

Viele Kreditnehmer kennen den Unterschied nicht und tappen in eine teure Zinsfalle. In diesem Ratgeber erklären wir die Vor- und Nachteile beider Modelle.


Der Klassiker: Das Annuitätendarlehen

Dies ist das Standardmodell für Ratenkredite und die meisten Baufinanzierungen in Deutschland.

So funktioniert es: Sie zahlen monatlich immer den gleichen Betrag (die Annuität). Diese Rate besteht aus zwei Teilen:

  • Zinsanteil: Die Kosten für den Kredit.
  • Tilgungsanteil: Die Rückzahlung der Schulden.

Der Clou: Da Sie jeden Monat einen Teil der Schulden zurückzahlen, sinkt die Restschuld kontinuierlich. Dadurch müssen Sie im nächsten Monat weniger Zinsen zahlen. Da die Monatsrate aber gleich bleibt, steigt der Tilgungsanteil automatisch an.

  • Vorteil: Sie sind am Ende der Laufzeit garantiert schuldenfrei.
  • Vorteil: Die Gesamtkosten sind niedriger, da Sie Zinsen nur auf die verbleibende Restschuld zahlen.

Das Spezialmodell: Endfälliges Darlehen

Dieses Modell wird auch „Festdarlehen“ oder „Bullet Loan“ genannt. Es ist im privaten Sektor (Private Lending) und bei Zwischenfinanzierungen sehr verbreitet.

So funktioniert es: Während der Laufzeit zahlen Sie nur die Zinsen. Sie tilgen nichts.

  • Die monatliche Rate ist sehr niedrig.
  • Die komplette Kreditsumme (z. B. 50.000 €) bleibt bis zum letzten Tag bestehen und muss dann auf einen Schlag zurückgezahlt werden.

Warum private Geldgeber das lieben: Für private Investoren ist das Modell attraktiv, weil ihr investiertes Kapital über die gesamte Laufzeit maximal verzinst wird. Sie bekommen jeden Monat den vollen Zinsbetrag, nicht einen sinkenden.


Der Kostenvergleich (Rechenbeispiel)

Hier sehen Sie schwarz auf weiß, warum das endfällige Darlehen teurer ist.

Beispiel: 100.000 € Kredit, 5 % Zinsen, 10 Jahre Laufzeit.

Szenario A: Annuitätendarlehen (Bank)

  • Sie tilgen jeden Monat etwas ab. Die Schuld sinkt.
  • Gesamte Zinskosten nach 10 Jahren: ca. 27.000 €.

Szenario B: Endfälliges Darlehen (Privat/Fest)

  • Die Schuld bleibt 10 Jahre lang bei 100.000 €. Sie zahlen jedes Jahr volle 5.000 € Zinsen.
  • Gesamte Zinskosten nach 10 Jahren: 50.000 €.

Ergebnis: Das endfällige Darlehen kostet Sie in diesem Beispiel 23.000 € mehr an Zinsen!


Wann lohnt sich die Endfälligkeit trotzdem?

Wenn es so viel teurer ist, warum macht man es dann? Es gibt drei gute Gründe:

  1. Liquidität schonen: Da Sie monatlich nur die Zinsen zahlen, ist die laufende Belastung extrem niedrig. Das hilft Immobilieninvestoren oder Selbstständigen, die ihren Cashflow brauchen.
  2. Tilgungsaussetzung gegen Sparplan: Früher wurde dies oft steuerlich genutzt (Immobilien). Man zahlte keine Tilgung, sondern sparte das Geld in eine Lebensversicherung ein, um den Kredit am Ende abzulösen. (Heute wegen niedriger Garantiezinsen oft unrentabel).
  3. Warten auf Geldsegen: Sie erwarten eine Erbschaft oder einen Hausverkauf in 5 Jahren? Dann brauchen Sie keine monatliche Tilgung, sondern zahlen am Ende alles auf einmal zurück (siehe Zwischenfinanzierung).

Das Risiko: Die Schlussrate (Ballon)

Das größte Risiko beim endfälligen Darlehen ist der letzte Tag. Viele Kreditnehmer gewöhnen sich an die niedrigen monatlichen Raten und vergessen, dass der „große Hammer“ am Ende kommt.

  • Wenn Sie am Stichtag die 100.000 € nicht haben (weil die Lebensversicherung weniger abgeworfen hat oder das Haus nicht verkauft ist), stehen Sie vor dem Ruin.
  • Sie brauchen dann zwingend eine Anschlussfinanzierung, oft zu schlechteren Konditionen.

Fazit: Rechnen Sie genau nach

Die Frage „Was ist besser?“ hängt von Ihrem Ziel ab:

  • Sicherheit & Günstig: Wählen Sie immer das Annuitätendarlehen. Es ist billiger und Sie bauen Schulden sicher ab.
  • Niedrige Rate & Flexibilität: Das endfällige Darlehen ist eine Option für Profis und Übergangsphasen, aber dauerhaft die teuerste Lösung.

Achten Sie bei Angeboten von privaten Geldgebern genau darauf: Ist es ein Ratenkredit oder zahlen Sie jahrelang nur Zinsen, ohne dass die Schuld kleiner wird?

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