
Sie haben in ein spannendes Immobilienprojekt auf einer Crowdfunding-Plattform investiert oder einem Start-up Geld geliehen. Doch im Vertrag steht ein sperriges Wort: „Qualifiziertes Nachrangdarlehen“.
Viele überlesen das und schauen nur auf die hohen Zinsen (5 % bis 7 %). Das ist ein Fehler. Die Frage „Was ist ein Nachrangdarlehen?“ ist entscheidend für die Sicherheit Ihres Geldes. Es bedeutet vereinfacht gesagt: Wenn das Projekt pleitegeht, stehen Sie in der Warteschlange ganz hinten.
Hier erfahren Sie, warum diese Kreditform so oft genutzt wird und welches Risiko Sie wirklich eingehen.
Die Definition: Hinten anstellen!
Ein Nachrangdarlehen ist ein Kredit, der im Fall einer Insolvenz (Pleite) nachrangig bedient wird. Stellen Sie sich eine Schlange vor dem Geldautomaten des insolventen Unternehmens vor:
- Erste Reihe: Der Insolvenzverwalter und das Finanzamt.
- Zweite Reihe: Die Banken, die „besicherte“ Kredite (z. B. mit Grundschuld) gegeben haben.
- Dritte Reihe: Die normalen Gläubiger (Lieferanten).
- Ganz hinten: Sie mit Ihrem Nachrangdarlehen.
Das Risiko: Oft ist das Geld alle, bevor die Reihe an Sie kommt. Das bedeutet für Sie als Anleger oft den Totalverlust.
Warum wird es trotzdem genutzt? (Crowdfunding)
Warum akzeptieren Anleger solche schlechten Bedingungen? Und warum nutzen Plattformen wie Exporo oder Bergfürst fast nur dieses Modell?
Der Grund liegt im Bankenrecht (KWG).
- Für die Unternehmen: Das Nachrangkapital wird von Banken oft wie Eigenkapital gewertet (wirtschaftliches Eigenkapital). Wenn ein Projektentwickler viel Nachrangkapital von der Crowd einsammelt, gibt ihm die Bank leichter den restlichen großen Baukredit.
- Für die Plattformen: Die Vermittlung von Nachrangdarlehen ist regulatorisch einfacher. Es ist keine vollwertige Banklizenz für das Einlagengeschäft nötig, was die Kosten senkt und die hohen Zinsen für Sie erst möglich macht.
Crowdfunding vs. Crowdlending: Was ist der Unterschied? (Einfach erklärt)
Die Klausel: „Qualifizierter Rangrücktritt“
In Ihrem Vertrag finden Sie oft den Begriff „Qualifizierter Rangrücktritt“. Das klingt kompliziert, ist aber wichtig zu verstehen. Es bedeutet:
- Sie dürfen Ihr Geld nicht zurückfordern, wenn die Rückzahlung dazu führen würde, dass das Unternehmen dadurch pleitegeht.
- Beispiel: Das Start-up hat noch 10.000 € auf dem Konto. Sie wollen Ihre 5.000 € zurück. Das Start-up sagt: „Wenn wir dir das zahlen, sind wir zahlungsunfähig.“ Aufgrund der Klausel müssen Sie warten – notfalls ewig.
Wann lohnt sich das Risiko?
Ein Nachrangdarlehen ist nicht per se schlecht. Es ist der Preis für höhere Rendite.
- Bankkredit: 0,5 % Zinsen (sehr sicher, durch Einlagensicherung geschützt).
- Nachrangdarlehen: 6,0 % Zinsen (unsicher, Totalverlust möglich).
Es lohnt sich nur, wenn Sie das Risiko verstehen und streuen (Diversifikation). Setzen Sie niemals alles auf ein Projekt. Wenn eines von zehn Nachrang-Projekten pleitegeht, fangen die Zinsen der anderen neun den Verlust auf.
Fazit: Hoher Zins, hohes Risiko
Die Antwort auf „Was ist ein Nachrangdarlehen?“: Es ist Risikokapital.
- Es ist rechtlich erlaubt und seriös, aber gefährlich für Unwissende.
- Es gibt keine Einlagensicherung.
- Investieren Sie nur Geld, dessen Verlust Sie verschmerzen können („Spielgeld“).
Lassen Sie sich von den Werbeversprechen der Plattformen nicht blenden: Der Nachrang ist der Grund, warum Sie 6 % Zinsen bekommen, während die Bank leer ausgeht.

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